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Rundschaubericht vom Freitag, 19.06.2009t


Endlich sagt's mal einer - Blues-Anthologie würdigt Gaildorf:
Eines der schönsten Festivals Europas

 
Michael Rauhut, Reinhard Lorenz (Hg): "Ich hab den Blues schon etwas länger"Noch zwei Wochen bis zum 21. Bluesfest - das nun auch zu akademischen Ehren gekommen ist. Das Buch "Ich hab den Blues schon etwa länger" enthält eine Hymne auf das "älteste deutsche Bluesfestival“.
 
"Von den Medien eher stiefmütterlich behandelt, feiert der Blues bei uns bis heute fröhliche Urständ. Er ist in eine vitale, feingliedrige Szene eingebettet, getragen von schätzungsweise mehr als fünfhundert Bands, Dutzenden Clubs, an die siebzig Festivals und den reißfesten Netzwerken der Fans" schreiben Michael Rauhut und Reinhard Lorenz, Herausgeber der Anthologie "Ich hab den Blues schon etwas länger" in ihrem Vorwort. Zwei dieser Festivals werden explizit erwähnt: Tom Schroeder beschreibt das SWF-Bluesfestival Lahnstein, an dem er mitgewirkt hat, und besingt dabei auch das Gaildorfer Bluesfest als "ältestes deutsches Bluesfestival", das "zu den schönsten in Europa" gehört. Endlich sagts mal einer.

Schröder hat die Gaildorfer Bluesfeste schon mehrfach besucht. Er dankt der Kulturschmiede, namentlich dem "Schreinermeister" Werner Eichele, staunt über die Zahl der ehrenamtlichen Helfer, der vielen einheimischen Besucher und überhaupt: "Am zweiten Veranstaltungstag findet sogar ein Straßenfest statt, und es ist verkaufsoffener Samstag. Wegen eines Bluesfestivals. Die 12 000 Einwohner von Gaildorfer lieben ihr Feschd".

"Ich hab den Blues schon etwas länger" ist die erste umfassende Abhandlung über Geschichte und Gegenwart des Blues in Deutschland. Die Texte, die Rauhut, Professor für populäre Musik an der Universität Adger in Norwegen, und Lorenz, Gründer des Jazzarchiv Eisenach, zusammen getragen haben, stammen von Experten, Liebhabern und Akteuren - wobei das eine die anderen nie ausschließt. Sie zeichnen ein differenziertes Bild einer Musik, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland bestaunt und nach dem zweiten Weltkrieg zumal in Jazz und RocknRoll wirksam wurde, ehe 1962 mit dem ersten "American Folk Blues Festival" von Horst Lippmann und Fritz Rau die Originale in den Fokus rückten und eine Art Emanzipationsgeschichte des Blues begann.

Die ist lange nicht abgeschlossen, das zeigen auch die leidenschaftlichen, erlebenssatten, auch galligen Beiträge in dem Buch, zu deren Glanzstücken Manfred Millers kenntnis- und erkenntnisreiche Abhandlung über den Blues an sich und den Blues "im Käferland" gehört. Der Mitbegründer des Lahnstein-Festivals zerfetzt gern genutzte Klischees, räumt verstaubte Schubladen auf, denkt vor und fordert zum Nachdenken auf - wer sich ernsthaft für den Blues interessiert, findet hier eine Pflichtlektüre. Für alle andern gilt: Lesenswert!

INFO
Michael Rauhut, Reinhard Lorenz (Hg):
"Ich hab den Blues schon etwas länger",
Ch. Links Verlag, Berlin. 409 Seiten, 29.90 Euro.

 

 

 

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