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Aus
"Info des Geman Blues Circle", Juli 1979
Das
diesjährige Gaildofer Bluesfest begann mit seinem Höhepunkt,
dem Auftritt J.B. Hutto's mit dem Dritten Ohr.

J.B. Hutto
Und
das einigen Widrigkeiten zum Trotz. Das Wetter war regnerisch, wir
waren deshalb vom offenen Schlosshof in das Gaildorfer Schulzentrum
umgezogen, wo Musiker und Publikum zumindest ein Dach über
dem Kopf hatten. Mit dem Umzug verbunden war allerdings der Verlust
der anheimeldnden Atmosphäre, die der alte Schlosshof zu bieten
vermag, denn das Schulzentrum ist eine Ansammlung moderner, nüchterner
Zweckbauten. Zur Kühle der Umgebung kam die des Wetters, zudem
begann der Auftritt eine Stunde später als vorgesehen - eine
Kumulation ungünstiger Voraussetzungen, die sicher schon manches
Konzert in die Binsen haben gehen lassen. Nicht jedoch dieses!
Es
bedurfte nur zweier Aufheizer, und - so Udo Wolff's Ankündigung
- "der Mann, auf den wir in Deutschland viel zu lange warten
mussten", wurde bei seinem Erscheinen auf der Bühne mit
frenetischem Beifall begrüßt. Er schloß die Gitarre
an den Verstärker an, und da war er, der Sound, den man live
gehört haben muss. Unverwechselbar sein hartes Slidespiel,
dqas durch die Ohr-Leute, verstärkt durch Christian Rannenberg
am Piano,
gut unterstützt wurde. Und sofort war die Stimmung da, die
dafür sorgte, dass einem während dieses Auftritts egal
sein konnte, wie kalt der Abend war. Denn das, was man da hörte,
ließ einen nicht still auf der Bank sitzen. Die Musik verlangte
nach
Bewegung und dieses Verlangen sah man auf die verschiedensten Weisen
befriedigt. Am lautesten wein paar Leute, die mit Flaschen, Bierkrügen
und ähnlichen Schlagwerkzeugen versuchten, den Drummer bei
seinem Handwerk zu unterstützen, indem sie im Takt - oder was
sie davon hielten - die Holzbänke bearbeiteten. Am ekstatischten
einer der - offenbar ein Punk-Fan Pogo tanzte, sprich: ständig
auf und nieder hüpfte. Am Häufigsten jene, die sich durch
rhythmisches Wippen von Kopf, Oberkörper oder ähnlich
bewegten Körperteilen dem Zwang der Musik
unterwarfen. Nur
die Musik? Schwer zu sagen,was die Wirkung von J.B. Hutto'S Auftritt
ausmachte. Als Showman kann man ihn nicht bezeichnen,er hatte es
glücklicherweise auch nicht nötig, durch übermäßiges
Show-Gehabe zusätzliche Begeisterung hervorrufen zu wollen.
Wenn er auch nicht die ganze Zeit bewegungslos auf der Bühne
stand, so war doch der einzige Show-Effekt, dass er sie zweimal
verließ, sich mit Gitarre mitten unter die Zuschauer begab.
Eigenartig, den kleinen Mann dort beihanhe verschwinden zu sehen,
während auf der Bühne de verstärker immer noch den
knallharten Hutto-Sound lieferte. <Dafür gab's Extra-Beifall.
Nach
zwei Stunden Musik versuchte die Gruppe, langsam zum Ende zu kommen.
Leichter gedacht als getan. J.B. Hutto musste fünf- sechsmal
zurück auf die Bühne. So wurde es bald halbeins, bis das
Konzert endgültig beendet war. J.B hatte noch keine Ruhe. Er
gab Autogramme. In Massen. Auf Notizzettel, Plattencover, Kuchendeckel
und einen Turnschuh.
Bluegrass & Blues Company
Nach
dieser "rauschenden Bluesnacht" musste es am Samstag jede
Band schwer haben, ähnliche Begeisterung zu entfachen. Um es
kurz zu machen, der Bluegrass & Blues Company gelang es diesmal
nicht. Die Gruppe hatte nicht ihren besten Tag, die Verstärkeranlage
auch nicht, so dass trotz aller musikalischen Kompetenz der Funke
nicht so recht übersprang. Dass die drei gut spielen können,
ist aufgrund ihres Auftritts im April in Gaildorf bekannt. Mir schien,
dass sie ganz froh waren, als sie nach einer knappen Stunde die
wieder im Schlosshof aufgebaute für die Al Jones Bluesband
räumen konnten.

Al Jones Bluesband
Dies aus München kommende Gruppe war bis dato für
die meisten im Publikum ein unbeschriebenes Blat gewesen. Sie trat
in bewährter Blues-Besetzung auf, mit Gitarre, Harmonika, Bass
und Schlagzeug. Wie sich sehr bald herausstellte, spielt Al Jones
eine technisch brillante Blues-Gitarre: sein Stil ist an Otis Rush
und Albert king orientiert, doch er hat auch B.B. King gut verdaut.
Ohne die geschlossene Ensembleleistung schmälern zu wollen,
muss man doch noch den Harmonikaspieler herausstellen, der mit mächtig
geblasenen Chorussen immer wieder für Sonderbeifall sorgte.
Es gelang der Band, an das Ereignis des Vorabends anzuknüpfen
und ein ähnliches Engagement der Zuhörer zu bewirken.
Sie hatte kurz nach neun zu spielen begonnen und machte gegen elf
Uhr den ersten Versuch aufzuhören. Vergeblich, warum sollte
es ihr besser gehen als J.B. Hutto? "Zu-ga-be, Zu-ga-be"
tönte es, so dass noch fünfmal die Bühne wieder erstiegen
werden musste, ehe gegen Mitternacht das letzte Stück gespielt
wurde.
Wie
im Vorjahr klappte die Organisation des Festes vorzüglich.
Die von auswärts angereisten Gäste erwartete eine Betreuung
, die vorauszusetzen oder zu verlangen reichlich unverschämt
gewesen wäre. Den Verantwortlichen auch diesmal herzlichen
Dank.
Gaildorfer
Bluesfest '79: Ein Volksfest sollte es werden, das Ziel wurde erreicht.
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