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Aus"
Bluesforum", Herbst 1981, Bericht von Siegfried Karcher
...eine
weitere Bluesveranstaltung "mit Tradition" in Süddeutschland,
die sich vorwiegend dem deutschen Blues widmet, ist das Gaildorfer
Bluesfest, veranstaltet von der Kulturschmiede e.V., einem Verein,
der unter Kultur nicht nur Ernst Mosch oder Slavko Avsenik und Kirchenpredigten
versteht.
Der Unterschied zu Ludwigshafen besteht zunächst einmal darin,
dass die Veranstaltung auf zwei Tage verteilt ist und dass sie unter
(fast) freiem Himmel stattfindet, entweder im Hof des alten Schlosses,
wie dieses Jahr, oder im Schulzentrum, wie die Jahre zuvor bei Regen.
Weiterhin tritt als Hauptattraktion jedes Jahr ein Bluesact aus
den USA auf. 1979 sorgte J.B. Hutto, begleitet vom "dritten
Ohr", für beste Stimmung; 1980 Fernest Arceneaux mit seiner
French Louisiana Band.

All
Night Blues Boys
Im planenverhangenen Schlosshof spielte am Freitag zunächst
eine Newcomer-Truppe aus Frankfurt: Die "All Night Blues Boys"
Klaus Kilian (harp, slide g, voc), Tillmann Suhr (g), Peter Tarkusch
(b), Eberhard Kröckel (dr). Offensichtlich eine sehr junge
Truppe. Klaus Kilian meinte in einer Aussage, man spiele in "klassischer
Thunderbird-Besetzung". Glücklicherweise kam es im folgenden
nicht zum sklavischen Nachspielen
von Songs und
Sound der "Fabulous Thunderbirds". Man
hatte auch eigene Ideen und zeigte
andere Einflüsse. Die
Stücke bestanden vorwiegend aus Chicago-Blues und R & B.
Klaus Kilian
ist auf der Harp mehr als nur solide, sein Gesang ist auch annehmbar,
ebenso sein Slidegitarrenspiel, das jedoch neben dem einfallsreichen
und technisch brillianten Spiel von T. Suhr (natürlich nicht
ohne "Bluesfeeling") etwas monoton wirkte. Ohne die trittsichere
und agile Rhythmusgruppe jedoch hätte das ganze wohl nicht
einmal halb so gut geklungen. Die Fans gingen gegen Ende des Auftritts
immer mehr mit. Die Ansätze der Gruppe lassen bei längerem
Bestehen wirklich gute Sachen erwarten.

City
Blues Connection
Als nächstes war die "City Blues Connection" an der
Reihe, die uns aus Ludwigshafen nicht in 100%ig guter Erinnerung
geblieben war. Man hatte einen neuen Schlagzeuger mitgebracht und
merkte gleich, die Gruppe hatte die Zeit genutzt.
Das
Zusammenspiel war besser, was ein Verdienst der Rhythmusgruppe zu
sein schien, die während des ganzen Auftritts solide Arbeit
leistete. Gegen Ende des Auftritts stellten sich wieder leichte
Konditionsschwächen ein, was man mit mehr Lautstärke zu
kompensieren versuchte. Norbert Egger sorgte für Stimmung und
ist so nebenbei einer der besten Slidegitarristen in Deutschland.
J. Hempel, als einziger aus der letztjährigen Truppe wieder
dabei, war der ruhende Pol der Band und verhinderte mehrere Male
das "Entgleisen".
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Lösekes Bluesgang
Das
Wetter besserte sich am
Samstagabend zusehends, und "Lösekes Bluesgang"
begann ihr etwas verspätetes Konzert vor trockenen Zuschauern.
Schon nach wenigen Tönen war klar, dass dies ein ziemlich
perfekter und trotzdem mitreissender Auftritt werden würde:
Der Sound stimmte, die Lautstäke stimmte und die Band spielte
gut und geschlossen. Neben originell interpretierten "Bluesklassikern"
wie "Sweet Home Chicago" spielte die Band auch Eigenkompositionen
wie den witzigen "Beefsteakblues". Abwechslung war
also geboten und das Zuhören machte richtig Spaß.
Bedauerlich war nur, dass die Band schon nach ca. zwei Stunden
Schluss machte und auch nur ungern mehr als zwei Zugaben geben
wollte.
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Willie Mabon
Als
letzter Act und Höhepunkt war Willie Mabon an der Reihe, vom
AFBF 1980 und seinen vielen Solo-Tourneen her ziemlich bekannt,
wenn auch nicht immer in freudiger Erinnerung. Er war schon ziemlich
früh angekommen und hatte "seiner Vorgruppe" gut
zugehört. Rauf auf die Bühne und los ging's: Willie Mabon
spielte mit nie gekannter Lässigkeit in bester Laune und Form
seine Standards und schreckte auch vor Parodien auf Howlin' Wolf
und Louis Armstrong nicht zurück. Da ihm das Spiel von "Lösekes
Bluesgang" anscheinend gefallen hatte, bat er die Musiker in
beiden Sets auf die Bühne. Die Qualität des ganzen Auftritts
litt nicht darunter, im Gegenteil: selten habe ich Musiker so spontan
und so reibungslos aufeinander eingehen sehen. Die Band begleitete
Willie Mabon kompetent und sicher.
Die Zeit verging so schneller als erwünscht und ehe man sich
versah, war es schon gegen 1.30 Uhr. Nach wenigen Zugaben war dann
leider Schluss. Fazit: Die Veranstaltung in Gaildorf ist jedes
Jahre gut, da sind Musiker und Zuschauer einer Meinung.
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