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10.
BLUESFEST 1987 - RÜCKBLICK
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Splitter
vom 10. Gaildorfer Bluesfest 1987
Text: Martin Feldmann – Jazz Podium, Guido Bünstorf
– Rundschau, Richard Färber
Ein Wochenende mit viel Musik in den Ohren: Bluesfest in Gaildorf.
Sommer, Sonne, kühles Bier und hübsche Mädchen. Eine
zweitägige Veranstaltung in alter Frische und neuer Resonanz.
Nicht nur die Musik sondern auch das ganze Drumherum war wieder
ein Schlager der Saison. Gaildorf steht für ein Bluesereignis
in der Provinz, das wegen seiner Volksfest-Atmosphäre an Anziehungskraft
gewinnt. Wieder ist es geglückt, trotz sehr vieler Besucher
die Stimmung familiär zu erhalten, Kommerzialisierung zu vermeiden.
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Rüdiger
Scholz Band
Die etwas schwierige Anheiznummer lieferte die kurzfristig angeheuerte
Band aus Hannover, da zuvor die „New Orleans Kings of Rhythm“
aus Termingründen absagen mussten: Rockigen Rhythm & Blues
mit fetzig arrangierten Bläsersätzen. Mit viel Puste und
Drive präsentierte sie einige Bluesklassiker, die beim Publikum
sehr gut ankamen. |
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Angela
Brown &
International Bluesduo
Schon bei der Ansage füllte sich der Platz vor der
Bühne, in rauhen Tönen befahl Tenorsaxophonist Garry Wiggins,
sich in Bewegung zu setzen. Christian Rannenbergs rhythmisches Piano
fuhr gnadenlos in die Beine, rasante Boogieläufe sorgten für
die nötige Oberhitze - nach fünf Minuten war das Publikum
gargekocht. Als schließlich noch ein eruptierender Vulkan
namens Angela Brown über die Bühne hereinbrach, aus der
tiefsten Bläue ihres Schlundes „Let the good times roll“
spuckend, hätte es eigentlich eine Eruption geben müssen.
Dass sie auch sanftere Töne ohne Energieverlust rüberbringen
kann, bewies Angela Brown nach dem ersten Sturm - selbst Wiggins
schien ihrer lasziv erotischen Anmache nicht widerstehen zu können,
die rauhen Saxophontöne erhielten einen warmen Unterton . "Honey
gettin‘ different"..
Angela Brown - vocals
Garry Wiggins - tsax
Christian Rannenberg - p
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Mojo Blues Band
„Sie haben sich vor zwei Jahren den Arsch abgespielt, sie
werden euch auch heute den Arsch abspielen...!“, die Ansage
für die Mojo Bluesband war kein bisschen übertrieben.
Nach wie vor sind sie der Beweis dafür, dass der Mississippi
durch Österreich fließt, und ausgestattet mit diesem
Gütesiegel problemlos fähig, den Act an sich zu reissen.
Die Rhythmusgruppe sorgte routiniert und mit viel Spielfreude
für einen swingenden Soundteppich, auf dem zu gehen für
die Solisten eine wahre Pracht war – Gitarrist und Sänger
Erik Trauner erklärte Mojo’s Wurzeln und die hauptsächlichen
Einflüsse – Fred McDowell zum Beispiel, man hörte
es, wenn Trauner auf der Slidegitarre weinte und jammerte, als
müsste er zur Baumwollernte. Christian Dozzler wühlte
sich mit der Bluesharp durch die Harmonien, heulte und orgelte
den Blues ins Volk und vermittelte Musik von Bauch zu Bauch. Über
zwei Stunden hielt Mojo die Zuhörer in Bewegung, dann, zur
Zugabe noch eine Überraschung: Das International Bluesduo
erschien noch einmal zur Session mit der Mojo Blues Band auf der
Bühne – der Abend war perfekt.
Eric Trauner - guitar, voc
Christian Dozzler - acc, harp
Markus Toyfl - guitar
Dani Gugolz - bass
Michael Strasser - drums
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J. C. Long Blues Band
Die J.C. Long Blues Band begann als "Opener"
am Samstag den undankbaren Anheizerjob. Man hätte sich der
Band aus Schwäbisch Gmünd noch etwas mehr "Feeling
for the Blues" wünschen können, es fehlte ihr etwas
an Durchsetzungsvermögen beim noch leicht verkaterten Publikum.
Richard Ray Farrell - voc, harp, guitar
Bernd Berroth - bass
Stefan Stumpf - drums
Bernd Kölbl - guitar
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Al Copley Combo feat.
Hal Singer
Al Copley, Mitbegründer der mittlerweile schon legendären
"Roomful of Blues", Entertainer und Hochgeschwindigkeitspianist,
brachte das Volk energisch auf die Beine. Der Flügel donnerte
und kreischte in den höchsten Tönen, und niemand wäre
erstaunt gewesen, wäre er mit Hexer Copley auf fünf Beinen
über die Bühne gefetzt. Vom Blues zum Jazz - als Gaststar
Hal Singer mit dem Tenorsaxophon auf der Bühne erscheint, wird’s
noch farbiger, neben jazzigen Balladen und fetzigen Rhythm &
Blues sind sogar Salsaklänge zu hören. In Gaildorf konnte
Singer ein Lied von einer Frau singen, die immer nur Whiskey trinkt
und die er trotz allem Übel weiter liebt: "It’s
a shame... but I love her just the same" ... Copley mit Pomadenfrisur
und Sonnenbrille am Flügel, Singer mit Energiegebläse
am Sax sorgten kräftig für angeheizte Stimmung im Zelt.
Al Copley - p, voc
Thomas Dürst - bass
George Green - drums
Hal Singer - tsax, voc
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 Yannick Monot &
Nouvelle France
Nach Al Copley und Hal Singer kam etwas total anderes:
Der Franzose Yannick Monot und seine Begleitband Nouvelle France,
die Cajun und Zydeco spielten. Was dabei herauskam, war sehr interessant
anzuhören, war etwas ruhiger als der Blues selber und rief
bei Besuchern zwei Reaktionen hervor: Begeisterung bei den einen,
Unverständnis bei den anderen. Auf jeden Fall brachten "Nouvelle
France" mit Akkordeon und Geige neue Klangperspektiven ins
Bluesfest und rundeten so das Programm ab.
Yannick Monot - acc, voc
Elsebeth Krogh - vio, fl, perc, voc
Geir Otnes - acc, p, voc
Christopher Jones - g, bass, voc
Manfred Schmidt - perc, drums |
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Guitar Crusher & The Midnight Rockers
Krönender Abschluss am Samstag (oder besser gesagt am Sonntagmorgen)
war der Auftritt des Sängers, Gitarristen und Harmonikaspielers
"Guitar Crusher"
mit den Midnight Rockers. Zusammen hatten sie es ziemlich leicht,
das Volk in Bewegung zu halten, aber - dem Rhythm & Blues verpflichtet,
blieben sie beim Thema und glitten nicht ab in seichtere Rock’n’Roll-Gefilde.
Ehrlich, hart und mitreissend die Soli von Saxophonist Paul Griesbach
und Gitarrist Nick Katzmann. Sidney "Guitar Crusher" Selby
selbst demonstrierte mit Revolver, schwarzem Humor und souligem
Gesang den harten Alltag des Musikers in den Slums - "That
was a true story!".
Guitar Crusher - voc, harp
Nick Katzmann - guitar
Paul Griesbach - saxophone
Danny Deutschmark - p, keys
Bob Rickards - Bass
Diamond LC Ross - drums
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Fans
Das 10. Gaildorfer Bluesfest war also wieder ein voller
Erfolg. Es wird den Ruf Gaildorfs als „Bluesstadt“ weiter
verstärken und die veranstaltenden Vereine ermutigen, weiterhin
das Risiko dieser Großveranstaltung auf sich zu nehmen. Wie
meinte doch der Bluesfreak aus dem Bergischen Land, der seit vielen
Jahren dabei ist: "Gaildorf ist nicht das größte
aber das schönste Bluesfestival in Deutschland"
Später wird man feststellen, dass das Bluesfest nur noch alle
zwei Jahre stattfindet, da der organisatorische Kraftaufwand für
die jährliche Veranstaltung eine ungeahnte Dimension angenommen
hat.
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