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Das
größte Bluesfestival Deutschlands hat seinen legendären
Ruf gefestigt: Rund 6000 Leute feierten zwei Tage lang auf der Kocherwiese
das 18. Gaildorfer Bluesfest.
Es ist schon fast halb drei Uhr morgens, als das 18. Gaildorfer
Bluesfest mit einem fulminanten Finale zeigt, warum es das beste
seiner Art im Lande ist: Tausende begeisterter Fans tanzen auf den
Tischen, während sich auf der Bühne noch einmal die Koryphäen
des zweitägigen Festivals wilde Duelle liefern - eine Jam-Session,
die sich gewaschen hat.
Wer
eine gute Party gesucht hatte und exzellente Musiker hören
wollte, der war bei den Veranstaltern von der Kulturschmiede auch
im 25. Bluesfest-Jahr wieder genau richtig. Wer aber erwartet hatte,
dass von der Kocherwiese neue Impulse ausgehen, der wurde enttäuscht:
Chicago-Blues in allen Variationen, sieben von acht Bands hatten
sich dieser populären und tanzbaren Stilrichtung verschrieben.
Doch Grenzen zu Funk und Soul wurden immer wieder übersprungen,
vor allem der Auftakt mit Larry Garner
ließ aufhorchen. Das Niveau konnte gehalten werden.
Brillant
etwa zelebrierte Duke Robillard,
aktueller Preisträger des "W. C. Handy Award" als
bester Bluesgitarrist, seine Show, lotete geschickt die Grenzbereiche
zum Jazz aus. Einen kurzen Auftritt hatte Stimmwunder Big
Time Sarah, die Magic Slim And
The Teardrops unterstützte. Enttäuschend schließlich
Magic Slim selber, er spielte
selbstgerecht und ohne Hingabe.
Ganz
anders Kenny Neal und seine Band:
Schnell avancierte der junge Gitarrist samt seinen Brüdern
und Kennard Johnson ("Steve Miller Band") an den Drums
zum Publikumsliebling. Die Burschen hatten so viel Spaß am
Spielen, dass Harp-Legende Billy Branch
Mühe hatte, mit den übermütigen jungen Wilden eine
gemeinsame Linie zu finden. Und es gab noch einen Favoriten der
Fans: Bo Weavil, das französische
Duo mit Gitarre, Harp, Kontrabass und Waschbrett begeisterte rundum
- rauer erdiger Folk-Blues irgendwo zwischen Robert Johnson und
Junior Parker. Frenetisch wurden die beiden gefeiert. Doch es wollten
auch noch andere spielen, wie der kurzfristig eingesprungene Sherman
Robertson, der mit wildem RhythmnBlues seine Klasse unter
Beweis stellte. Mit dem soliden und fast schon zu glatten Carl
Weathersby und unzähligen Gästen auf der Bühne
fand das Festival in einer rauschenden Party sein Ende.
Dennoch:
Es gab nichts Neues auf der Kocherwiese, der Blues ist aber weiter
im Jahr 2003. Wers nicht glaubt, höre sich Jimmy Thackery,
Tab Benoit, Aynsley Lister oder gar The White Stripes an. Doch dieses
Jahr lag Chicago am Kocher.
Pressebericht
von Dirk Hülser vom 08.07.2003 aus:
Rundschau
für den Schwäbischen Wald - Der Kocherbote
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