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Blue Notes
Auf dem Bluesfest wird gemunkelt, der Gitarrist
Alex Schultz habe per E-Mail versprochen, dass er sich
in Gaildorf „den Arsch aufreißen“ werde –
wenn die Gage stimmt. Aus Schultz’ Konzert und seinem späten
Auftritt mit Ronnie Baker Brooks und James Armstrong schließen
wir, dass die Kulturschmiede entweder tief in den Gagentopf gelangt
hat oder – dass wir gar nicht mehr wissen wollen, wie es ist,
wenn Schultz sich den Arsch aufreißt.
Beim
Bluesfest trifft man nicht nur alte Bekannte, sondern auch alte
Fährnisse. Die kleine Bodenmulde beim Bierausschank
etwa, gleich rechts, wenn man ins Zelt hineinkommt. Es gibt nicht
nur Einen, der seinen etwas unwürdigen Gang damit zu entschuldigen
sucht, dass er in dieses „Sch . . .loch“ getreten sei.
Dem Burschen, der gegen 11 Uhr mit vier leeren Bierkrügen Richtung
Ausschank torkelte, haben wir’s aber nicht mehr abgenommen,
zumal er meinte, das sei ihm nun schon zum vierten Mal passiert.
Einer,
der sich alle zwei Jahre beim Bluesfest auf die Sonntagspredigt
vorbereitet, ist der Bibersfelder Pfarrer Uli Enders.
Am Freitag war er an seinem gewohnten Platz, also dicht vor der
Bühne anzutreffen - bis zum Auftritt von James Armstrong. Dann
erschien er bei einigen seiner Schäfchen, die sich weiter hinten
im Zelt aufhielten und klagte, Armstrong habe ihm den Bierkrug voll
geschwitzt. Die Predigt hätten wir uns angehört, wenn
wir Zeit gehabt hätten.
Siggi
Karcher hat sich entschuldigt. Und zwar dafür, dass
er vor zwei Jahren einige Bluesfestbesucher verdächtigt hatte,
den Teich im Schlosspark „zugemüllt“ zu haben.
Er habe erfahren, sagte der Bluesfest-Ansager, ehe er am Freitag
zum Auftakt die „Bluebirds“ auf die Bühne schickte,
dass eine Abi-Klasse der Übeltäter war. Ein Freibrief
zum Rumsauen, fügte er an, sei das freilich nicht.
„Die
Einschläge rücken näher“, verkündete Bluesfest-Ansager
Siggi Karcher mehrfach den Besuchern. Das klingt
einigermaßen salopp, ist aber ernst gemeint. Karcher erinnerte
an den Kulturschmiede-Vorsitzenden Frank Abrecht, der im Februar
überraschend verstorben war. Und an Angela Altieri von den
„Mudsliders“. 2001 war sie mit ihrer Band beim Bluesfest
zu hören, vor kurzem ist sie dem Krebs erlegen.
Der
Übergang fällt an dieser Stelle etwas schwer, allerdings
gebietet uns die Informationspflicht zu reportieren, dass beim diesjährigen
Bluesfest erstmals auch Schlangen vor den Herren WCs
gesichtet wurden. Das sei, grummelte lautstark Einer, der ganz hinten
von einem Bein auf das andere trat, bestimmt wieder so einer blöden
EU-Verordnung zu verdanken. Andere fragten scheinheilig, wo denn
die ganzen Bäume hingekommen seien.
Wem
das abendliche Angebot beim Bluesfest nicht reichte, der konnte
heuer im Schlossgraben zwischentanken. Dort hatten Handels- und
Gewerbeverein und das Kaffeehaus am Schloss ein Zelt auf- und eine
Bluesband hineingestellt. Und zwar die Timo Gross-Bluesband, die
jüngst ein viel beachtetes CD-Debut abgeliefert und außerdem
einen Gaststar dabei hatten: Siggi Karcher, Bluesfest-Ansager und,
wie sich zeigte, durchaus brauchbarer Harpspieler. Es soll auch
Leute gegeben haben, die bei dieser Band erst so richtig Appetit
aufs Bluesfest kriegten - wenn das mal kein Kompliment ist.
Der
glücklichste Bluesfest-Teilnehmer war übrigens James
Armstrong. Der Musiker traf in Gaildorf seit Jahren seine
Familie wieder, die in Skandinavien lebt. Seinen ersten Titel –
irgendwas mit „Mean to me“ – widmete er deshalb
seiner Ex-Frau, die strahlend hinter der Bühne saß. Und
statt zu Jammen, wie sich’s gehört, tollte er lieber
mit seinen Sprösslingen herum.
Volker
„Wolfman“ Kunschner, Organist der Volker Strifler
Band, hatte bei seinem Auf-tritt manchmal einen seltsamen Schlauch
im Mund. Hernach, er aß gerade einen Kebap, wurde er zur Rede
gestellt. Es handle sich um ein „optoelektronisches Wah-Wah“,
sagte Kunschner, „was das ist, erklär’ ich dir
gleich“, und verschwand unter Hinterlassung einer Zwiebelwolke.
Warum er nicht wieder kam, erschloss sich dem Berichterstatter nach
einigem Nachdenken: Er hatte Kunschner vor einigen Jahren schon
einmal das Gleiche gefragt (und auch nicht begriffen).
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